BILDER GALERIE












Werbung

Age of Empires II

Testbericht von Stefan

Entwickler: Ensemble Studios
Herausgeber: Bold
System: Mac OS X, Mac OS Classic*
Erschienen: Winter 2001 in Deutsch
Plattform: PPC*
Genre: Strategie / Wirtschaft
sonstige Kosten: keine
Kaufpreis: 45-50 ¤
Demo: n.v.
Freigabe: ab 12 Jahren, Infos zur USK
Da ist es also endlich, "Age of Empires 2", ein Spiel auf das die Strategiespieler unter uns sicherlich schon lange gewartet haben. Über ein Jahr nach dem Erscheinen auf dem PC bekommen nun also auch die Mac-User die Möglichkeit, dass auf dem PC mit etlichen Auszeichnungen versehene AOE2 anzutesten. Ob der zweite Microsofttitel, der von dem extra dazu von Microsoft ins Leben gerufenem Label "Destineer" auf den Mac portiert wurde, auch in der Version für unsere Apfelrechner einen guten Eindruck macht, werden wir versuchen im Folgendem herauszufinden.

Bestandsaufnahme

Age of Empires II kommt für den Mac in der sogenannten "Gold Edition" daher, was nichts anderes bedeutet als dass das für den PC separat erschienene Erweiterungsset "The Conquerors" bereits mit enthalten ist. Die Installation erfolgt dabei aber komplett von einer CD, das Erweiterungsset wurde also bereits mit integriert und bedarf keiner weiteren, nachträglichen Installation. Der Installationsvorgang an sich ist dabei ebenso unkompliziert, lediglich der für Internetspiele dringend empfohlene Spielepartnervermittler "Game Ranger" muss extra installiert werden, falls man diesen nicht sowieso schon auf seiner Festplatte hatte.

Die Zeitalter der Königreiche

Nun aber zum eigentlichem Spiel: in der Age of Empires II Gold Edition übernimmt der Spieler die Führung über eines von 18 verschiedenen Völkern, über das er dann in einem maximal möglichen Zeitraum von ca. 1000 Jahren herrscht. Angefangen in der "dunklen Zeit" bis zum "Imperialzeitalter" ist es das Ziel, mit den wenigen am Anfang zur Verfügung stehenden Mitteln eine vernünftige Ökonomie aufzubauen, durch Handel, Diplomatie und nicht zuletzt durch Eroberungen sein Reich weiter zu entwickeln und auszubreiten. Neben den "normalen" Zufallskartenspielen kann man dabei auch wirkliche historische Kampagnen nachspielen und in die Fußstapfen von historischen Figuren und Feldherren wie Jeanne d’arc oder Dschingis Khan treten. Der ebenfalls enthaltene Karteneditor, mit dem sich sogar eigene Missionen und Kampagnen entwickeln lassen, sorgt dabei für noch weitere Abwechslung.

Wer noch keinerlei Erfahrung mit dem Vorgänger Age of Empires gesammelt hat, sollte unbedingt mit dem Tutorial des Spieles beginnen. Neben der Erläuterung des Interfaces sowie generellen Spielabläufen werden in diesem wirklich gut gemachten Tutorial, dass in Form einer ersten Spielkampagne abläuft, auch der erste Aufbau eines kleinen Wirtschaftssystems, die ersten Kampfhandlungen sowie die Möglichkeiten des Handelns einführend erklärt. Auch alten AOE-Hasen sei unter Umständen angeraten dieses Tutorial ab der Stelle mitzumachen, mit der die Neuerungen von AOE2 ins Spiel kommen.
Hat man das Tutorial erfolgreich hinter sich gebracht - und dies sollte wirklich kein größeres Problem sein - bietet es sich an eine Zufallskarte zu starten um die weiteren Spielelemente kennen zu lernen. Wer will kann auch gleich mit einer der Kampagnen beginnen, muss dann aber wissen das dort der Schwierigkeitsgrad relativ schnell ansteigt.

Detailfragen

Hat sich das Spielprinzip im eigentlichem Sinne nicht großartig gegenüber dem Vorgänger verändert, gibt es sonst nur neues zu berichten. Würde es sicherlich zu weit führen jegliche Besonderheiten des Spieles hier aufzuführen, so lohnt es sich doch einmal einige Punkte als Beispiele herauszustellen, die teilweise die neuen Möglichkeiten von AOE2 zeigen.
Der Handel über den Marktplatz beispielsweise kann nun die reine Abhängigkeit von Goldminen verhindern, gleiches gilt die für die auf den Karten verteilten Artefakte, die - wenn man sie durch einen Mönch ins hauseigene Kloster transportiert - dort fleißig Gold produzieren. Schafe lasen sich Halsbänder umlegen und zum eigenem Dorfzentrum treiben - gerade zu Beginn eine günstige Nahrungsquelle.

Besonders herausgestellt werden in Age of Empires 2 auch die verschiedenen Völker. Jede der 18 Kulturen hat seinen eigenen Technologiestammbaum und spezielle Stärken (und Schwächen). So haben z.B. die Franken 25% weniger Kosten für Burgen und die Ritter 20% mehr Lebenspunkten. Diese Stärken beruhen (meistens) auf historischen Gegebenheiten, so waren die Franken ja tatsächlich für ihre Burgen berühmt und die fränkischen Ritter waren bei ihren Gegnern tatsächlich gefürchtet.

Militärtechnisches

Gerade bei den militärischen Einheiten und Gebäuden hat sich bei AOE2 so viel gegenüber dem Vorgänger verändert, dass es ganze Internetseiten zu diesem Thema gibt. Neu hinzugekommen sind auf der einen Seite die sogenannten "erweiterte Truppenbefehle", mit denen man Formationen und Verhaltensweisen seiner Truppen festlegen kann. So kann man beispielsweise seine Truppen in einem Kasten anordnen um schwächere Einheiten wie z.B. einen Priester zu schützen. Eine andere Möglichkeit ist es z.B. seine Truppen auf zwei Flanken aufzugliedern um den Gegner in die Zange zu nehmen. Dadurch eröffnen sich natürlich nahezu unendlich viele taktische Möglichkeiten und Manöver.
Neben diesen strategischen Möglichkeiten wurden noch eine Reihe weitere Dinge verbessert. Neben neuen Einheiten wie Belagerungskatapulten u.ä. ist es nun auch möglich Türme, Burgen und Dorfzentren mit Bogenschützen zu bestücken, deren Abwehrkraft sich dann logischerweise erhöht. Auch im militärischem Bereich hebt AOE2 wieder die einzelnen Völker hervor, was sich dann durch die Produktion von Spezialeinheiten wie z.B. die Samurai bei den Japanern und die Kriegselefanten bei den Persern äußert.

Grafik & Sound

Auch optisch ist AOE2 wahrlich ein Leckerbissen. Riesengroße, je nach Erdregion mit unterschiedlicher Vegetation und Topographie ausgestattete Karten lassen schon allein das Herz des Strategen höher schlagen. Wenn man dann noch die hochdetailierten und sauber animierten Gebäude und Einheiten sieht - die natürlich je nach Volk anders aussehen - wird man wahrlich beinahe in das Szenario hineingezogen. AOE2 bietet wohl das Beste was mit 2D-Grafik bei einem Strategiespiel noch möglich gewesen ist, die Detailverliebtheit der Designer ist wirklich nicht zu übersehen und hinterlässt insgesamt einen sehr guten Eindruck.
Etwas was man bei dem Sound nicht ganz sagen kann. Sprachausgabe und Soundsamples sind zwar durchweg gut - aber nichts weltbewegendes. Da manchmal weniger aber mehr ist gibt es auch hier eigentlich nichts zu meckern - bei einem solchem Strategiespiel war nicht mehr erforderlich.

Wer mit künstlicher Intelligenz arbeitet, muss auch mit natürlicher Dummheit rechnen...

Gleichzeitig Stärke und Schwäche von AOE2 ist sicherlich die sog. "künstliche Intelligenz". Sicherlich wurde im Gegensatz zum Vorgänger einiges getan, die Laufwege sind sinnvoller und einzelne Einheiten verhalten sich jetzt alleine - nach Erteilen einer entsprechenden Anweisung - durchaus einigermaßen intelligent und selbstständig. Die KI des Computerspieler aber setzt dem Spiel- im Gegensatz zu den Versprechen des Herstellers - nicht unbedingt die Krone auf. Zu durchschaubar ist das Verhalten des Computergegners, ja er verfährt sogar lediglich nach zwei übergeordneten Regeln. Zum einen versucht der Computer mit allen Mitteln eine Attacke auf sein eigenes Dorfzentrum zu verhindern, dies hat für ihn oberste Priorität. Zum anderen versucht er das gegnerische Dorfzentrum zu erreichen und zu zerstören - und zwar gradlinig. Das sind im Prinzip die einzigen beiden Regeln wonach der Computergegner verfährt - und beide kann man sich zur Nutze machen. Welchem AOE2 Spieler ist denn noch keine Angriffsformation des Computers begegnet, die schnurstracks auf ihr Angriffsziel zumarschiert ohne auf eine Bedrohung in ihrer unmittelbaren Umgebung zu achten ? Hat der Computer z.B. in Auftrag gegeben das gegnerische Mauertor zu zerstören, marschiert die Kolonne genau bis zu diesem Mauertor. Erwischt man sie zufällig - oder planmäßig durch gezielte Vorposten - vor diesem Zielpunkt lässt sie sich wehrlos abschlachten. Ähnlich kann man den Computerspieler davon abhalten überhaupt anzugreifen. Da seine oberste Priorität der Schutz des eigenen Dorfzentrums ist, unterlässt er so ziemlich alle Angriffsaktionen wenn man ständig ein paar "Holzköpfe" - so nennt der erfahrene AOE2-Spieler Einheiten wie z.B. den Pikenier, der bei seiner Produktion lediglich Holz und Nahrung braucht - das Dorfzentrum des Computerspielers angreifen lässt. Was ich damit ausdrücken will ist nicht das der Computerspieler schlecht ist, nein, in hohen Schwierigkeitsgeraden ist er sogar ziemlich gut. Aber er ist nur gut weil er verdammt schnell ist - nicht weil er eine besonders gute KI besitzt.

Mehrspielermodus

Wirklich süchtig macht AOE2 deshalb wohl auch erst im Multiplayerspiel, wobei man aber nicht sagen kann das die Singlespielerkampagnen einen nicht ebenfalls lange fesseln können. Kommen aber echte Mitspieler ins Spiel, die - mehr oder weniger - logisch und taktisch klug vorgehen, nimmt ein AOE2-Spiel ganz andere Dimensionen an und man möchte am liebsten gar nicht mehr aufhören. AOE2 lässt sich dabei problemlos im Netzwerk, über direkte Internetverbindung oder über den Onlinespielevermittler GameRanger betreiben. Nicht reproduzierbar kam es bei Testversuchen leider in seltenen Fällen zu Abstürzen und Synchronisationsfehlern - ersteres übrigens gehäuft auch im Singleplayermodus - aber seit der neuesten Version (die man unbedingt installieren sollte) scheinen diese Probleme wohl behoben zu sein.
Auch bedauerlich ist die Tatsache das Duelle mit PC-Usern nicht möglich ist, da Microsoft bei der PC-Version auf Direct-Play gesetzt hat was logischerweise auf dem Mac nicht möglich ist.

Fazit

Gegenüber dem Vorgänger hat sich so viel getan, das die Aufzählung der Features wirklich nicht leicht war. Stark verbesserter Handel, komplexere und vielfältigere Wirtschaftsmöglichkeiten, umfangreiche, von Volk zu Volk verschiedene technologische Entwicklungen und nicht zuletzt ein strategisch stark verbesserter militärischer Teil machen deutlich was AOE2 sein wollte und auch ist - das bislang beste Echtzeitstrategiespiel auf dem Mac !

Werbung

POSITIV
- komplexe, auf historischem Boden stehende Strategie
- hoher Suchtfaktor, gerade auch im Multiplayerspiel
- tolles Gameplay
- detailreiche Optik
NEGATIV
- verbesserungswürdige KI der Computergegner
- bislang noch mit leichten Stabilitätsproblemen
93%
Grafik:
Sound:
Netzwerkspiel:
Schwierigkeit:
sehr gut
gut
mittel
mittel
Du hast "Age of Empires II" selbst gespielt?
Dann schreib uns Deine Meinung!

MINIMUM STANDARD OPTIMUM TESTRECHNER
G3 233 MHz
Mac OS 8.6
64 MB RAM
100 MB Festplatte
G3 233 Mhz
64 MB RAM
Mac OS 8.6
G3 400 Mhz
256 MB RAM
Mac OS X
iMac DV 400Mhz
384 MB Ram
40 GB Festplatte
Mac OS 9.2

* Diese Angaben beziehen sich auf den Zeitpunkt als der Artikel geschrieben wurde. Eventuell stehen auf der Homepage des Herausgebers bzw. Entwicklers Updates für "Age of Empires II" bereit.