BILDER GALERIE












Werbung

Civilization 4

Testbericht von Dmitri

Entwickler: Firaxis
Herausgeber: ASH
System: Mac OS X*
Erschienen: Sommer 2006 in Deutsch
Plattform: PPC / Intel*
Genre: Strategie / Wirtschaft
sonstige Kosten: keine
Kaufpreis: 45-50 ¤
Demo: n.v.
Freigabe: ab 6 Jahren, Infos zur USK
Lange haben Mac Fans darauf warten müssen und so manch einer hat mit den sich dank Boot Camp nun ergebenden Möglichkeiten schon vorab mal einen Blick in Civilization IV geworfen. Das ist kaum zu verdenken, steht die Reihe doch seit gut fünfzehn Jahren bis auf wenige unrühmliche Ausnahmen für brillanten Strategiespaß mit Lerneffekt.

Aufregung, Reaktionen und der ersehnte Patch...

Und mit dieser Tradition will man auch beim offiziellen vierten Teil der Serie nicht brechen, auch wenn etliche Gemüter in diversen Foren zunächst nach dem Kauf gänzliche andere Probleme hatten. Die Performance der Verkaufsversion war nämlich so schlecht, dass selbst Macs weit über den ohnehin schon üppigen Systemanforderungen von G5 1,8 Ghz, 512 MB RAM und 64 MB Grafikkarte mit Soundaussetzern, ganz bösen Slowdowns, fehlenden Animationen und Kernel Panics zu kämpfen hatten. Letzteres vorzugsweise auf fabrikneuen Intel-Macs und bis auf diese Problematik wurde das Gröbste von Aspyr nun schon mit einem Patch nachgeholfen. Neukäufer kommen also auf keinen Fall an dem ca. 15 MB großen Update vor dem Spielstart vorbei. Im Gegensatz zu Entwickler Firaxis seinerzeit auf dem PC-Markt, waren die Aspyr Leute aber löblicherweise ständig in einschlägigen Foren auf Fehlersuche und Informationsaustausch unterwegs.

» Download: Civilization 4 Update

Doch zurück zum eigentlichen Spielgeschehen. Dieses liegt weniger im Patchen der Software, auch wenn manch leidgeprüfter PC-Gamer das womöglich schon anders sieht, sondern im Aufbau einer glorreichen Zivilisation. Mit selbiger beginnt ihr dabei im Jahr 4000 vor Chr. als kleines Nomadenvolk und entwickelt euch dann vorzugsweise zur vorherrschenden Kultur auf dem Planeten. Soweit also alles wie gehabt, ähnlich wie bei den Vorgängern sorgen verschiedene Siegesmöglichkeiten (Vorherrschaft, Eroberung, Besiedelung des Alls etc.) für reichlich Abwechslung im historischen Wettstreit.

Bewährtes & Neues bunt gemischt!

Dennoch fallen schon gleich beim Starten des Spiels einige kleinere Detailänderungen ins Auge. Erstens stehen nun weitere Schwierigkeitsgrade zur Verfügung, die in ihrer Ausprägung sowohl nach unten als auch nach oben gehen und für Profis und Anfänger gleichsam die richtige Einstellung bieten. Zudem hat man die Liste verfügbarer Zivilisationen etwas "entschlackt" und neubesetzt. Die einstmals gefürchteten, jedoch unbeliebten Zulus fielen etwa der Schere zum Opfer, wofür aber die Wüstenkönige aus Mali nachrückten. Zwar ist die Auswahl wie immer stark vom persönlichen Geschmack abhängig, mir persönlich hat diese Mischung aber gut gefallen. Und wer sich damit nicht zufrieden geben möchte, kann von anderen Spielern erstellte Zivilisationen auch kostenfrei aus dem Netz herunterladen.

Ohnehin bietet euch Civ IV neben den Möglichkeiten, das Spiel auf einer Zufallskarte zu führen, auch die Möglichkeit historische Szenarien nachzuspielen. Direkt mitgeliefert wird beispielsweise ein Szenario zum amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, dem Wüstenkrieg im Zweiten Weltkrieg oder aber des Mittelalters. Wer Nachschub sucht, wird auf einschlägigen Fanseiten im Internet schnell fündig und kann seine persönliche Sammlung mit weiteren Szenarien anreichern. Auf diese Weise gibt es praktisch immer etwas Neues zu entdecken und auszuprobieren, was viel Spannung für kommende triste Herbsttage verspricht. Übrigens sind viele von PC-Gamern erstellte Szenarien mit der Macintosh Version voll kompatibel und dank integriertem Weltenbauer dürft ihr auch selbst eure Kreativität unter Beweis stellen.

Weitreichende Detailänderungen

Doch auch an der Spielmechanik selbst wurde viel gewerkelt. So verbesserte man das Mikromanagement der Städte, wodurch die Verschwendung zum Beispiel beim Übergang eines Bauvorgangs in den nächsten wegfällt bzw. nun rübergerechnet wird. Zudem gesellen sich neben Bewässerung, Straßen und Siedlungen nun auch noch Werkstätten sowie Wind- und Wassermühlen in die Liste der Ausbaumöglichkeiten der umliegenden Ressourcenfelder. Dafür fiel die wenig genutzte Möglichkeit aus Civ III, nämlich Rohstoff-Kolonien zu errichten, komplett aus dem Spiel.

Einen großen Schritt vorwärts wagte man mit der Einbindung der fünf Weltreligionen in das Spiel. Vorab hitzig diskutiert, hat man hier in meinen Augen eine gute Lösung gefunden, indem man die Religionen mit verschiedenen Technologien verknüpft und die Erforschung selbiger dann zur Religionsgründung in einer eurer Städte führt. Von dort aus breitet sie sich selbst weiter aus, kann aber auch von euch noch mittels der Einheit Missionar weiter in die Ferne getragen werden. Zwar haben alle Religionen wohl aus Rücksicht auf die Gläubigen prinzipiell die gleichen Eigenschaften, sind dennoch nun unzertrennbar mit der Diplomatie verbunden.

Selbige Diplomatie ist nun übrigens erfreulicherweise weniger willkürlich als dies noch bei den Vorgängern der Fall war und eine einfache Auflistung zeigt euch im Gespräch nun stets an, was euren Gegenüber denn stört oder freudig stimmt. Hier kommt dann auch wie erwähnt wieder die Religion mit ins Spiel, denn seid ihr als christliche Deutsche unterwegs und tretet mit den ebenfalls christlichen Franzosen in Kontakt, so ist bereits von Anbeginn eine gewisse "Brudervolk-Sympathie" vorhanden. Bei Zufallsspielen seid ihr aber im Übrigen keinesfalls auf historische Authentizität festgelegt, so kann es buddhistische Engländer, jüdische Japaner oder hinduistische Spanier geben.

Es lebe die Revolution!

Vorhin schon kurz angesprochen, wurden auch die Staatsformen kräftigst überarbeitet. War man früher auf recht schwammige Begriffe á la Republik, Demokratie oder Monarchie festgelegt, so dürft ihr nun genauere Details bestimmen. Gibt es ein allgemeines Wahlrecht bei euch oder nicht? Wie wäre es mit Erbrecht, d.h., der Herrscher vererbt seinen Anspruch? Und wie steht ihr in religiösen Fragen? Religionsfreiheit für alle oder doch lieber einen theokratischen Gottesstaat? Wie ihr an einem der Screenshots erkennen könnt, gibt es da allerhand Optionen für das bisher fehlende Feintuning. Zudem sind die einzelnen Wahlmöglichkeiten um einiges ausgewogener, so dass ihr dieses Mal genau eure Situation abwägen solltet.

Großes Ärgernis für viele Civilization-Spieler war bisher ja immer auch das ICS-Problem. Die Abkürzung steht in Fankreisen für "Infinite City Sprawl" und bedeutet letztlich nichts anderes als grenzenlose Expansion um jeden Preis. Dieser einstmals erfolgsversprechenden Spielart hat man nun glücklicherweise einen Riegel vorgeschoben, so dass überdehnte und wirtschaftlich auf wackeligem Fuße stehende Riesenreiche sehr schnell zusammenbrechen und kaum zu erhalten sind. Gesunde Expansion, gepaart mit wirtschaftlichem Aufbau, lautet hier viel eher die Devise, was der Realität doch zumindest ansatzweise nahe kommt.

Ebenfalls eine Anpassung hat der Technologiebaum hinter sich. Das verdeutlicht schon das der Packung beiliegende Poster mitsamt einem aufgeschlüsselten Forschungsbaum. War das Tech-Layout früher strikt linear schön der Reihe nach, so wurde das System jetzt stark angepasst. Vielfach gibt es mehrere Möglichkeiten, um an eine Technologie zu gelangen, was für weitaus mehr Abwechslung als noch in früheren Zeiten sorgte. Als Tüpfelchen auf dem i gibt es zudem nach der Erforschung einer neuen Technologie noch sprichwörtliche Weisheiten, vorgelesen von niemand geringerem als Schauspieler Leonard Nimoy, landläufig auch als Mr. Spock vom (uralten) Raumschiff Enterprise bekannt.

Überarbeitetes Kampfsystem

Seid ihr noch da? Gut, dann machen wir weiter, denn es gibt doch tatsächlich noch eine ganz entscheidende Neuerung in Civilization IV. Hatten alle Einheiten früher Werte für Angriff und Verteidigung, so wurden diese nun zu einem einzigen Kampfwert zusammengefügt. Entscheidend ist nun vor allem, mit welchem Truppentyp ihr gegen wen antretet. Ein Lanzenträger erweist sich so als sehr stark gegenüber einem Reiter, dieser wiederum zertrampelt einfache Infanterie unter seinen Hufen oder legt Katapulte lahm und letztere sind als Belagerungswaffen für den Angriff auf größere Städte einfach unerlässlich. Es sei denn, ihr wollt im Stil der Roten Armee gleich dutzendweise eure Leute opfern.

Ist ein Kampf gewonnen, erhält eure Einheit ähnlich wie in einem Rollenspiel Erfahrungspunkte, mit der sie weitere Stufen aufsteigen kann. Dabei darf auch immer eine Fähigkeit weiter ausgebaut werden, wie etwa die Stadtverteidigung, die Gesamtkampfstärke oder aber im speziellen der Kampf gegen Schießpulvereinheiten.

Packt meine alte Kiste das denn noch?

Bevor ihr nun begeistert einen der Onlineshops stürmt, noch kurz ein paar Worte zur Technik. Erstmals in seiner Geschichte präsentiert sich das Spiel in einer echten 3D-Umgebung und verzückt den Spieler mit nachwachsenden Bäumen, Meeresströmungen, drehenden Windmühlen und großzügigen Animationen der Einheiten. Leider hat dies alles auch seinen Preis und verlangt schon etwas Power unter der Haube. Mit einem iMac G5, 1,8 Ghz, 512 MB RAM und 64 MB VRam sind die Mindestanforderungen daher doch recht hoch ausgefallen. Und dennoch müssen Civilization-Begeisterte mit unbedingtem Spieldrang, aber älterem Rechner nicht den Kopf hängen lassen. Wir installierten das Spiel nämlich einfach mal probeweise auf einem iBook G4, 1,33 Ghz, 512 MB RAM und 32 MB VRam und siehe da – es läuft! Um es spielbar zu halten, solltet ihr zwar keine Kartengröße über "klein" hinaus auswählen und auch viel Landmasse wirkt sich schädlich auf die Performance aus, dennoch können so auch Besitzer von älteren Systemen zumindest schon mal bis zum Kauf eines neuen Intel-Macs reinschnuppern.

In Sachen musikalische Begleitung schlägt euch sogleich im Hauptmenü eine Art Ethno-Weltmusik-Mucke entgegen, die sich entgegen ersten Befürchtungen gar nicht so übel anhört und langsam in eure Gehirnwindungen hineinfrisst. Im Spiel selbst wird es dann eher gemächlicher und ich hätte mir persönlich doch das eine oder andere Mal eher die martialischen Klänge eines Hearts of Iron II oder Europa Universalis gewünscht. Macht aber nichts, denn in den Optionen könnt ihr den Pfad zu eurem Musikordner angeben und so eure eigenen Zusammenstellungen abspielen lassen. Großartige Idee!

Fazit

Ich war auch unter den langjährigen Fans, die sehnsüchtig auf die Veröffentlichung von Civ 4 warteten und stets etwas neidisch auf die PC-User schielten. Doch das hat glücklicherweise nun endlich ein Ende. Dabei hält Civ 4 alle Versprechungen und ist trotz des immensen Umfangs noch verhältnismäßig unkompliziert, dafür aber extrem tiefsinnig und brillant. Mit anderen Worten: Civilization IV ist einfach göttlich, Kaufempfehlung!

Werbung

POSITIV
- intelligente KI
- viel Tiefgang
- Mods & Szenarien
- Mehrspielermodus
NEGATIV
- noch kleinere Bugs vorhanden
- nohe Systemvoraussetzungen
- Hintergrundmusik etwas belanglos
90%
Grafik:
Sound:
Netzwerkspiel:
Schwierigkeit:
mittel
mittel
(n. getestet)
mittel
Du hast "Civilization 4" selbst gespielt?
Dann schreib uns Deine Meinung!

MINIMUM STANDARD OPTIMUM TESTRECHNER
G5 / Core 1,8 Ghz
512 MB RAM
3,5 GB Festplatte
64 MB Grafikkarte
DVD-Laufwerk
Mac OS X 10.3.9
G5 / Core 2 Ghz
1024 MB RAM
128 MB Grafikkarte
Mac OS X 10.4
G5 / Core 2,2 Ghz
1536 MB RAM
256 MB Grafikkarte
Mac OS X 10.4
iMac G5 2 Ghz
2048 MB RAM
ATI Radeon 9600 (128 MB)
Mac OS X 10.4.6

* Diese Angaben beziehen sich auf den Zeitpunkt als der Artikel geschrieben wurde. Eventuell stehen auf der Homepage des Herausgebers bzw. Entwicklers Updates für "Civilization 4" bereit.