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Edna bricht aus

Testbericht von Harald

Entwickler: Daedalic
Herausgeber: ASH
System: Mac OS X*
Erschienen: Frühjahr 2009 in Deutsch
Plattform: PPC / Intel*
Genre: Adventures / RPG
sonstige Kosten: keine
Kaufpreis: 25-30 ¤
Demo: Ja, Download now!
Freigabe: ohne Beschränkung, Infos zur USK
Es erinnert optisch etwas an Futurama und das Intro könnte spartanischer nicht sein. Und doch schaffte es das Adventure „Edna bricht aus“ bereits mühelos PC-Spieler von sich zu überzeugen. Das überrascht dann doch hinsichtlich der gewaltigen Konkurrenz, die in Sachen Präsentation alle Register zieht und teilweise mit einem gewaltigen Budget realisiert wurde. Also scheint Edna die Spieler mehr durch ihre inneren Werte zu bezaubern. Das wollen wir natürlich genauer wissen und werfen uns abenteuerlustig prompt auf die gerade erschienene Mac-Version. Ob Edna dabei auch uns gewinnen konnte, verraten wir euch in diesem Test.

Bist du irre?

Sie kann sich an nichts erinnern. Nicht, warum sie in dieser Gummizelle steckt und auch nicht, wie sie hier her kam. Aber Edna weiß, dass sie nicht verrückt ist und schon gar nicht in eine Irrenanstalt gehört. Das bestätigt ihr auch Harvey. Der sprechende Plüschhase spornt sie auch gleich zur Flucht an und schon stecken wir mitten im verrückten Abenteuer mit verrücken Pflegern und verrückten Insassen. Aber was ist schon normal? Na ja, zumindest die Steuerung gibt sich streng traditionell und folgt klassischen Adventuremustern. Wie gehabt führen wir Edna und Harvey mittels Mausklick durch die gezeichneten Hintergrundgrafiken und wie üblich kombinieren wir die Objekte aus unserem Inventar mit herumstehenden Utensilien und Möbelstücken. Dabei erscheint der Name eines Objekts am unteren Bildschirmrand, während wir mit der Maus drüber fahren. Klicken wir mit der rechten Maustaste, wird die naheliegendste Aktion ausgeführt, was allerdings nicht immer zum gewünschten Ergebnis führt. Dieses erreichen wir aber problemlos durch die Kombination der Begriffe am unteren Bildschirmrand mit dem gewünschten Objekt. Also „Benutze Münztelefon“ oder „Nehme Becher“. Insgesamt geht das gut von der Hand, könnte aber gerade für „unterwegs“ eine Tastaturunterstützung gut gebrauchen. Wie nahe Wahnsinn und Normalität beieinander liegen, zeigen bereits die ersten Dialoge. Schon der Wärter erzählt im Multiple-Choice-Gespräch begeistert von seinem Minigolfschläger, dem ihm einst sein Vater geschenkt hat, und offenbart jede Menge ungelöste Konflikte mit dem Erzeuger und leidet unter Minderwertigkeitskomplexen und Höhenangst. Aber die Bewohner stehen da natürlich in nichts nach. Vom Bienenmann, der ständig nur mit einem entsprechenden Kostüm anzutreffen ist, über den einsilbigen Strogelbecher bis zum Professor Nock, der Dinosauriern nachjagt, konfrontiert euch das Spiel mit allerhand schrägen Zeitgenossen, jeder Menge witziger Dialoge und Anspielungen auf die Film- und Computerindustrie. So treffen wir beispielsweise auf eine Selbsthilfegruppe von Spiele-Programmierern. Auch wenn sich die Kommentare schnell wiederholen und die Sprecher vereinzelt etwas laienhaft wirken, so tragen gerade dieser schräge Humor und die gekonnt platzierten Hinweise auf die meist logischen Rätsel das Spiel vorzüglich. Jeder Charakter wurde mit viel Liebe gestaltet, wobei besonders Edna durch ihre schrägen und trockenen Kommentare für sich zu gewinnen weiß.

Wer ist Harvey?

Ein Held der etwas auf sich hält, geht nicht mehr ohne Begleitung auf Tour und so kann sich auch unsere Edna auf die tatkräftige Hilfe ihres Stoffhasen Harvey verlassen. Denn dieser hat, neben tollen Sprüchen und einer prima Synchronstimme, noch einen besonderen Trick auf Lager. Er führt Edna in ihre Vergangenheit und lehrt sie anhand ihrer Erinnerungen bestimmte Fähigkeiten. Beispielsweise steht Edna vor dem Problem, Schrauben eines Lüftungsschachtes entfernen zu müssen. Aber wie ohne Werkzeug? Harvey führt sie zeitlich zurück in den Keller ihres alten Hauses, wo der Vater das Mädchen einst im Keller eingesperrt hat und sie nur dadurch entkommen konnte, dass sie ihre Fußnägel abgebissen und diese dann als „Schraubendreher“ missbraucht hat. Prompt erinnert sich das Mädel wieder und kann fortan den Trick auch in der Gegenwart einsetzen. Während dieser Erinnerungen dürfen wir auch in die Rolle von Harvey schlüpfen, was leider nur zweimal im ganzen Spiel geschieht. Und auch sonst hätte ich mir mehr Dialog mit dem frechen Stoffnager gewünscht. Meist wirkt der nämlich recht einsilbig und kommentiert nur gelegentlich das Geschehen. Zwar gibt er auf Wunsch bei jedem Gegenstand einen Kommentar ab, doch ist dies fast nie nötig und hilft auch selten. Für meinen Geschmack eindeutig zu wenig, zumal hier die ideale Gelegenheit gewesen wäre, ein mehrstufiges Hilfesystem einzubauen, ohne das dieses den Spielfluss stört. Apropos Dialoge: zwar bietet euch das Spiel verschiedene Antwortmöglichkeiten, doch haben die keinerlei Einfluss auf das streng linear ablaufende Spielgeschehen. Ebenso spult euer Gegenüber bei gleicher Frage auch immer die gleiche Antwort ab. Schade!

Wo geht es denn hier nach draussen?

Wer Edna auf ihrem Weg nach draussen helfen will, muss genretypisch rätselfest sein. Das beginnt beim Absuchen der Räume, was zum Glück dank der Highlightfunktion bei interaktiven Objekten nicht in Pixelsucherei ausartet, und endet in meist logischen Kombinationsrätseln. Allerdings wenden diese sich eher an Rätselexperten und überfordern Anfänger schnell. Mit unter lässt aber auch Edna die Logik hinter sich und driftet ins Unsinnige ab. Auch verliert man bei der zu sammelnden Objektfülle im etwas konfusen Inventar schnell den Überblick und verbringt unverhältnismäßig viel Zeit mit suchen. Bei der Grafik hingegen scheiden sich die Geister. Während viele die spartanische Optik und die mageren Animationen bemängeln, erfreue ich mich an dem Futurama-Look. Denn gerade diese bewusst abgedrehte Optik setzt in unserer Zeit einen angenehmen Gegenakzent zur Hochglanzoptik aktueller Spitzentitel und passt hervorragend zur Atmosphäre.

Kannst du noch?

Leider hat Edna auch Probleme mit der Technik. Zwar läuft das Spiel nach Wahl auch im Fenstermodus, zeigt dann aber sowohl bei der Stabilität, als auch bei der Performance deutliche Schwächen. So kann ich die mangelhafte Synchronsetzung der Stimmen noch verzeihen, muss mich dann aber bei den zögerlichen Reaktionen auf meine Kommandos und dem langsamen Bildaufbau wundern. Besonders ärgerlich sind jedoch die zahlreichen Abstürze. Das darf gerade bei einem solch einfachen Spiel nicht passieren. Da muss noch dringend nachgebessert werden.

Fazit

Da hat uns Entwickler Daedalic einen richtig erfrischenden Adventurespaß gespendet. Nicht nur der unverbrauchte Humor und das abgedrehte Setting unterhalten für viele Stunden, auch die cleveren und liebevoll gestalteten Charaktere wissen voll zu überzeugen. Da stört es mich auch nicht, dass ich die naturgemäß stark eingeschränkten Lokalitäten immer wieder besuchen muss und mit der ein oder anderen Logikschwäche zu kämpfen habe. Bei den technischen Problemen endet hingegen mein Humor. Da muss noch einmal ausgebessert werden, will man Edna auch auf dem Mac zum Siegeszug verhelfen. Ist das geschehen, sollte jeder Adventure-Fan über die grafische Schlichtheit und etwas angestaubte Spielführung pfeifen und den Trip durch die Irrenanstalt wagen.

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POSITIV
- erfrischendes Thema
- liebevoll gestaltete Charaktere
- Fenstermodus
NEGATIV
- technische Schwächen
- ich will mehr von Harvey!
- sehr unterschiedliches Niveau der Sprecher
72%
Grafik:
Sound:
Netzwerkspiel:
Schwierigkeit:
gut
gut
(n. getestet)
fortgeschritten
Du hast "Edna bricht aus" selbst gespielt?
Dann schreib uns Deine Meinung!

MINIMUM STANDARD OPTIMUM TESTRECHNER
G4 mit 1 Ghz
1024 MB RAM
64 MB Grafikkarte
1 GB Festplatte
Mac OS X 10.4.11
G5 mit 1,8 Ghz
1536 MB RAM
128 MB Grafikkarte
Mac OS X 10.5
G5 mit 2,0 Ghz
2048 MB RAM
128 MB Grafikkarte
Mac OS X 10.5
MacBook Pro
2 Ghz
2048 MB RAM
Radeon X1600
Mac OS X 10.5.6

* Diese Angaben beziehen sich auf den Zeitpunkt als der Artikel geschrieben wurde. Eventuell stehen auf der Homepage des Herausgebers bzw. Entwicklers Updates für "Edna bricht aus" bereit.