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Prince of Persia (2008)

Testbericht von Harald

Entwickler: UbiSoft
Herausgeber: Transgaming
System: Mac OS X*
Erschienen: Frühjahr 2009 in Deutsch
Plattform: Intel*
Genre: Action
sonstige Kosten: keine
Kaufpreis: 40-45 ¤
Demo: n.v.
Freigabe: ab 12 Jahren, Infos zur USK
Traditionen sind etwas Schönes. Doch manchmal führen die nirgendwo hin und lassen keinen Raum für Entwicklungen. Dann wird es Zeit, alte Zöpfe über Bord zu werfen und das Rad neu zu erfinden. So sah das offensichtlich auch Ubisoft und wagte mit dem im Dezember 2008 erschienenen Prince of Persia einen Bruch mit der Serie und gleichzeitig einen Neuanfang. Anfang 2009 begrüßen wir den neuen Teil auch auf dem Mac und hoffen, das bei all den Änderungen der Spielspaß nicht in den Sanddünen verschüttet ging.

Alles neu?

Unsere Reise führt uns in die Sagen- und Märchenwelt des Iran. Hier hat der fiese Gott Ahriman sein Zuhause, der auch in dieser Geschichte eine zentrale Rolle spielt. Das finstere Wesen konnte aus seinem uralten Gefängnis entfliehen und umhüllt die Welt fortan mit Dunkelheit und einer lebensentziehenden Kraft. Eigentlich könnte das unserem muskulösen Jüngling ja egal sein, wäre es nicht zu einer schicksalhaften Begegnung mit der schönen Pristerin Elika gekommen, deren Schicksal eng mit dem von Ahriman verknüpft scheint. Und so findet sich unser Held auch schon mitten in zahlreichen Schwierigkeiten, aus denen wir ihm natürlich nur all zu gerne heraushelfen. Ubisoft verzichtet dabei auf die aus den Vorgängern bekannte Mischung aus Klettereinlagen und Schwertkämpfen, und legt den Fokus dafür mehr auf Hüpf- und Kletterpassagen. Natürlich sprechen auch die Waffen, doch versteht sich dieser Part hier eher als schmückendes Beiwerk, denn als spielbestimmendes Element. Zentrum eurer Reise ist dabei ein Tempel, umgeben von vier größeren Bereichen mit jeweils vier weiteren Untersegmenten. So ergeben sich neben den vier Einführungs-Levels insgesamt 20 Abschnitte, deren heilige Lichtquelle von Elika aktiviert werden muss, damit die Dunkelheit dem Licht und damit dem wieder erstarkenden Leben weicht.

Lebensversicherung inbegriffen

Hier wird bereits klar, dass der spielentscheidende Funke diesmal von Elika kommt. Sie gibt die Impulse und sie ist unsere Lebensversicherung. Denn, und auch das ist neu, einen Tod kennt Prince of Persia diesmal nicht. Statt bei einem Sprung in die Tiefe oder bei einem verlorenen Kampf ein Bildschirmleben zu lassen, greift Elika im entscheidenden Moment ein, und rettet uns vor dem drohenden Ende. Und das mit mehreren Konsequenzen. Zum einen zieht es uns nicht unnötig aus dem Spiel, was beim traditionellen „Game Over“ unvermeidlich ist, und zum andern bleiben so Frustmomente aus. Doch gibt Elikas helfende Hand unseren Entscheidungen auch eine gefährliche Bedeutungslosigkeit. So ist es mir völlig egal, ob mein Sprung zur anderen Seite glückt oder nicht. Schließlich greift bei einem Fehltritt jedes Mal Elikas Hand von oben nach mir und zieht mich auf meine Ausgangsposition zurück. Und die Dame ist verständnisvoll und geduldig. Egal wie oft ich mich in die Tiefe stürze, nie höre ich ich ein strafendes Wort oder einen ungeduldigen Unterton in ihrer Stimme. Ähnlich ist es auch bei Kämpfen. Hat mich der Gegner am Boden und setzt zum Todesstoß an, greift Elika ein und rettet mich vor dem Unvermeidlichen. Auch wenn der Gegner anschließend wieder mit voller Lebensenergie den Kampf aufnimmt, nehme ich bald emotional Abstand vom Geschehen. Das ist bedauerlich und hätte umgangen werden können. Aber diese Unverbindlichkeit erstreckt sich leider auch auf die Beziehung der beiden. Dass unser Schützling kein Prinz ist, sondern ein Herumtreiber, merken wir schnell an den sehr witzigen deutschen Dialogen. Überhaupt ist das Spiel überzeugend synchronisiert und zeigt ausgerechnet bei Elika vereinzelt Schwächen. Und gerade das steht im krassen Gegensatz zur der starken und temperamentvollen Frau. Nur leider wussten die Entwickler diese Wesensarten nicht entsprechend auszugestalten. So bleibt die Beziehung der beiden immer auf dem gleichen Level. Man hat nie das Gefühl, dass sich unsere Abenteurer emotional annähern oder entfernen. Das überrascht um so mehr, da die beiden im Laufe der Geschichte aneinander kleben, wie Pech und Schwefel. Da wäre mehr drin gewesen.

Immer an der Wand lang

Begeistert hingegen war ich von den Klettereinlagen der beiden. Die Steuerung ist eingängig und unterstützt das Geschehen durch intuitive Eingaben. Um beispielsweise an einer Wand entlang zu laufen, müsst ihr lediglich im Lauf an eine Fläche springen. Den Rest erledigt das Spiel bis ihr schließlich durch einen Druck auf die Leertaste zum Sprung ansetzt, um beispielsweise auf einen Vorsprung zu gelangen. Kletterpflanzen dienen den beiden als willkommene Hilfe und das Zusammenspiel klappt perfekt. So ziehen sie sich gegenseitig hoch, klettern aneinander vorbei und Elika lässt sich auch schon einmal Huckepack tragen. Auch die Sprünge gehen gut von der Hand und das entlang hangeln an Fahnenmasten ist stets fair und nachvollziehbar. Sogar an Decken kann unser Held zeitweise klettern und eine Metallklaue verschafft an steilen Hängen den notwendigen Bremsschub. Anders sieht das hingegen bei den Kampfsequenzen aus. Diese laufen leider immer nach dem gleichen Muster ab und auch wenn verschiedene Tastenkombos ein taktisches Vorgehen suggerieren, so reicht im Prinzip das Auswendiglernen der gegnerischen Attacken mit anschließendem Tastengehämmere. Diese Aktionen sind in Quicktime-Events gekleidet und verlangen eben die richtige Taste im richtigen Moment. Dazu kommt, dass die Gegner alle ungefähr gleich agieren und ihr Handeln schnell vorhersehbar wird. Hat man den Dreh erst raus, stellt kein Gegner eine ernste Gefahr dar.

Übrigens: Es werden das Logitech Rumblepad 2 und das Logitech Dual Action Gamepad unterstützt.

Märchenwelt in neuem Gewand

Auch optisch geht Ubisoft neue Wege und verpackt das Spiel in einen sehr passenden und schönen Cell Shading-Look ähnlich dem leider nicht sehr erfolgreichen Okami. Das passt hervorragend und bringt eine ganz eigene Atmosphäre, fernab üblicher 3D-Rendering Grafik. Dazu kommen die wunderschönen und butterweichen Animationen unserer Helden. Selbst die Sprünge und Kletterbewegungen sind überzeugend. Da stört es nicht, dass die Landschaften zurückhaltend detailliert sind. Was hingegen stört, sind die immer gleichen Gegner und die immer gleiche Begrünung der befreiten Landschaft. Auch wenn Ubisoft das in der Story gut begründet, so wirkt das optisch leider unter dem Niveau des restlichen Spiels, welches passend durch hervorragende Hintergrundmusik untermalt wird.

Fleißarbeit

Hat Elika einen Abschnitt erst befreit, so benötigen wir, um weitere Abschnitte zu besuchen, neue Lichtquellen. Diese sind im zurückliegenden Level verstreut und müssen von uns erst berührt werden. Haben wir die erforderliche Anzahl an Lichtquellen gesammelt, gelangen wir in den nächsten Abschnitt, welchen wir über eine Karte nach Belieben wählen. Was im Prinzip nach einer guten Idee klingt, erweist sich leider als die größte Spaßbremse im Spiel. Nicht nur, dass wir den bereits befreiten Level erneut durchqueren müssen, so gibt es auch kein Tier und keinen Gegner, welcher den Abschnitt nur ansatzweise interessant machen könnte. Dazu kommt, dass die neue Vegetation immer gleich aussieht und optisch keine neuen Impulse vermitteln kann. Dadurch wird das Unterfangen schnell zur lästigen Pflichtübung und bremst das Spiel unnötig aus. Da hilft es auch nicht, dass Elika uns auf Verlangen den Weg zeigt.

Fazit

Ubisoft ist die Erneuerung gelungen. Der Prince of Persia zeigt sich in einem außergewöhnlichen und modernen Gewand und hat auch spielerisch viele Neuerungen zu bieten. Allen voran ist hier Elika zu nennen, die das Spiel deutlich bereichert. Allerdings bricht Ubisoft auch klar mit den Anforderungen an den Spieler. War die Serie früher auch eine Herausforderung für Profis, so werden diese jetzt gelangweilt abwinken. Und das ist Schade denn das Spiel hat viel zu bieten. Wer sich mit Elikas aufdringlicher Hilfe anfreunden kann und über die Designschwächen hinwegsieht, bekommt für circa 12 Stunden ein vergnügliches Abenteuer geboten.

» GameTreeOnline: Prince of Persia

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POSITIV
- atmosphärische Grafik
- sehr amüsante Dialoge und gute Synchronisation
- offene Levelauswahl
NEGATIV
- nervige Wiederholungen
- langweilige Endgegner
- wenig Spannung
74%
Grafik:
Sound:
Netzwerkspiel:
Schwierigkeit:
sehr gut
sehr gut
(n.v.)
einfach
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* Diese Angaben beziehen sich auf den Zeitpunkt als der Artikel geschrieben wurde. Eventuell stehen auf der Homepage des Herausgebers bzw. Entwicklers Updates für "Prince of Persia (2008)" bereit.